Tumor im Rückenmark – Erfahrungsbericht Teil 12

Reha

Am 17.08.2015 wird sie dann nach insgesamt 4 Wochen Krankenhaus – immer noch per Liegendtransport – nach Bad Oeyhausen in die Rehaklinik der Johanniter gebracht. Der Aufenthalt dort beginnt für sie mit einem kleinen Zusammenbruch psychischer Natur. Als ich direkt am ersten Abend ihr Zimmer betrete, finde ich sie weinend vor. Ich befürchte zunächst Schlimmes, aber es stellt sich heraus, dass es ihr gesundheitlich nicht schlechter geht als zuvor, es gab also keinen Rückschlag. Jedoch haben die letzten Wochen sie sehr mitgenommen – und das bricht verständlicherweise jetzt heraus. Ich nehme sie in den Arm und versuche zu trösten. Nach einigen Minuten beruhigt sie sich. Immerhin ist der Weg jetzt nicht mehr ganz so weit und ich kann sie fast jeden Tag besuchen.

Der Reha-Aufenthalt an sich ist zum Glück wieder eine verhältnismäßig schöne Zeit – natürlich immer in Anbetracht der Umstände. Man kümmert sich gut um sie, das Personal ist immer freundlich, sie bekommt ihre Therapien und ist unter ärztlicher Aufsicht.

Da an Gehen noch nicht zu denken ist, bekommt sie einen Rollstuhl, um sich innerhalb des Komplexes bewegen zu können, also um in den Speisesaal und zu den Anwendungen zu gelangen. Die ersten Tage braucht sie dazu noch Hilfe. Sie muss vom Bett in den Rollstuhl gehievt und auch geschoben werden. Aber nach ein paar Tagen kann sie selbst aufstehen und sich alleine in den Rollstuhl setzen. Zuerst noch sehr wackelig, aber schnell immer besser. So braucht sie immerhin auch keine Hilfe mehr, wenn sie zur Toilette muss. Ein erster Schritt zurück in die Selbstständigkeit und auch ein Stückchen Lebensqualität. So komisch es klingt – allein dieser Umstand ist ihr sehr viel wert.

Ihr Zimmer hat einen Balkon, auf dem wir oft zusammen sitzen. Netterweise hat ihr der Hausmeister ein kleines Brettchen besorgt, sodass sie auch alleine mit dem Rollstuhl über die Schwelle kommt und das gute Wetter genießen kann. Dort auf dem Balkon steht sie auch das erste Mal etwas länger, indem sie sich am Geländer festhält. Zwischendurch lässt sie das Geländer mal für ein paar Sekunden los und steht alleine auf ihren Beinen – was für ein Moment! Alleine stehen, wenn auch wackelig! Sie schickt mir direkt ein Handybild davon.

Obwohl der Wochenplan oft recht leer aussieht, macht sie doch schnell Fortschritte. Ergotherapie, Motomed, Neurologische Krankengymnastik, und das teils täglich, teils mehrmals die Woche. Dazu Fußbäder, um die Nerven zu sensibilisieren.

Nach etwa zwei Wochen in der Reha bekommt sie einen Rollator, und tatsächlich kann sie ihre ersten „fast richtigen“ Schritte machen. Auch wenn sie dabei sehr langsam ist. Aber wir freuen uns, dass sie tatsächlich wieder aus eigener Kraft auf ihren Beinen stehen und eben auch gehen kann!

Direkt neben der Reha-Klinik ist natürlich ein größerer Kurpark. Da sie mittlerweile schon länger beschwerdefrei sitzen kann, nutzen wir das gute Wetter so oft es geht und gehen zusammen dorthin. Sie natürlich im Rollstuhl sitzend. Dort genießen wir einfach die Natur – für sie schon fast etwas Besonderes, da sie wochenlang nicht wirklich draußen war. Zwischendurch essen wir auch ein Eis oder speisen zusammen in einem Restaurant im Kurpark. Irgendwie muss man ja das Beste aus der Situation machen.

Nach sechs Wochen Reha hat sie enorme Fortschritte gemacht und wird nach Hause entlassen. Mit dem Rollator ist sie mittlerweile ziemlich gut zu Fuß, aber eingehakt an meinem Arm oder wenn sie sich im Haus irgendwo festhalten kann, kann sie auch schon ohne Hilfsmittel gehen. Das ist so toll!

Wie der Kampf weitergeht, schildern wir in Teil 13.

2017-12-13T13:32:04+00:00 13. Juli 2016|Keine Kommentare