Ende letzten Jahres habe ich mir bekanntermaßen einen neuen PC auf AMD-Basis zusammengebaut. Ich hatte mich entschieden, zunächst auf den Boxed-CPU-Kühler zu setzen. Der AMD Wraith Prism sollte nicht so schlecht sein, hieß es.
Schon damals schrieb ich, dass der Kühler zwar seinen Dienst tut, der Lüfter aber doch ziemlich ackern muss und ganz schön Lärm macht.
Vor einigen Tagen habe ich dann bemerkt, dass der CPU-Lüfter komische Kratz-Geräusche verursacht. Da habe ich das Gehäuse geöffnet und Ölspritzer auf dem Lüfter gesehen. Offenbar verliert das Lager des Lüfters Öl und ist dadurch nicht mehr so gut geschmiert. Da ich befürchtete, dass er irgendwann ganz den Geist aufgibt, habe ich mich entschlossen, den Kühler durch einen besseren und hoffentlich leiseren zu ersetzen.

Auf dem Bild sind die Ölspritzer schwer zu erkennen, man muss schon genau hinsehen. Aber vorhanden sind sie, z.B. unterhalb des AMD-Logos. Und laut Recherche haben auch andere Leute das Problem mit dem Wraith Prism.

Noctua NH-D15

Natürlich ist der Noctua NH-D15 eigentlich nicht nötig und überdimensioniert. Der Ryzen 7 3700X hat eine TDP von 65 Watt und produziert nicht übermäßig viel Abwärme. Da der NH-D15 als geprüftes B-Ware-Modell aber „schon“ für 70 € zu haben war, war ich bereit den Aufpreis gegenüber anderen Modellen zu bezahlen. Immerhin gilt der Noctua NH-D15 als der beste Luftkühler überhaupt. Den Normalpreis von rund 90 € wäre es mir aber nicht wert gewesen.

Lieferprozess

Der Kühler kam direkt von Noctua aus Österreich und war nach drei Tagen da. Das ging schon mal schnell. Obwohl es ein B-Ware-Modell ist, also ein geprüfter Rückläufer, sah alles tadellos aus. Auch die Verpackung hat keine nennenswerten Beschädigungen. Nur das Tütchen mit dem (alten) AMD-Montagekit war geöffnet. Der Kühler selbst sah nicht so aus, als wäre er schon irgendwo montiert gewesen. Er kann natürlich auch einfach nur sehr gut gereinigt worden sein.

Leider musste ich feststellen, dass kein Kit für den AM4-Sockel dabei lag. Entweder wurde das bei der Prüfung nicht wieder beigelegt, oder aber ich hatte Pech und habe ein altes Modell bekommen. Der NH-D15 ist nämlich schon seit ein paar Jahren auf dem Markt und wurde zunächst ohne AM4-Kit ausgeliefert. Möglicherweise habe ich also ältere „Lagerware“ bekommen. Was im Grunde kein Problem ist, denn der Kühler an sich ist unverändert. Bei den neueren Modellen liegt eben nur das neue Kit bei. Ich habe daraufhin eine E-Mail an Noctua geschickt und das Kit NM-AM4 wurde mir sofort gratis nachgesendet. So sieht guter Service aus.

noctua nh-d15

Nach weiteren 3 Tagen konnte ich den Kühler dann verbauen. Die Montage gestaltet sich wirklich super einfach. Dank meines doch großzügigen Gehäuses habe ich nicht mal das Board dafür ausbauen müssen. Nur kurz die Grafikkarte auszubauen, hat ausgereicht. Obwohl das Ding aufgrund der Größe und des Gewichts von ca. 1,3 kg wirklich ein Monster ist! Wärmeleitpaste liegt bei, auch hier muss man sich also keine Sorgen machen.

So sieht das Ganze dann im eingebauten Zustand aus:

Temperaturen und Lautstärke

Nach dem Einbau habe ich natürlich gleich geschaut, wie es sich mit den Temperaturen und der Lautstärke verhält. Leider habe ich versäumt, die Idle-Temperaturen mit dem AMD-Kühler zu messen. Da habe ich nur die Werte aus dem Winter. Da lag die Temperatur im Idle bei ca. 45°C. Da war allerdings auch die Raumtemperatur um 10°C niedriger. Der Vergleich mit den jetzt gemessenen Temperaturen hinkt also. Mit dem NH-D15 lag die CPU-Temperatur im Idle bei ca. 37°C. Also trotz der deutlich höheren Raumtemperatur schafft der Kühler es, die CPU fast 10°C kühler zu halten.

Temperatur mit dem NH-D15 im Idle bei ca. 30°C Raumtemperatur

Unter Volllast ist der Unterschied natürlich größer. Mit dem AMD Wraith Prism wurde die CPU bei ca. 30°C Raumtemperatur nach etwa 10 Minuten über 90°C heiß. Dann habe ich den Test abgebrochen. Der Lüfter hörte sich dabei an wie eine Turbine, er läuft dabei immerhin mit fast 3.000 rpm.

Mit dem Noctua steigt die Temperatur nie über 73°C. Dabei bleibt die Lüfterdrehzahl mit unter 1.500 rpm moderat. Die Lüfter sind dabei natürlich schon zu hören, aber eher als Rauschen. Nicht zu vergleichen mit dem Lärm des AMD-Lüfters. Mit einer besser angepassten Lüfterkurve ließe sich das Lüftergeräusch sicher noch optimieren.

Interessant auch zu sehen, dass mit dem AMD-Kühler die CPU „nur“ mit 3.980 MHz taktet. Beim Noctua dagegen takten alle Kerne mit 4.085 MHz. Immerhin 100 MHz mehr. Ob das jetzt zusammenhängt, sei mal dahingestellt. Einfach eine interessante Beobachtung.

Fazit

Dass der AMD-Kühler nicht der beste ist, damit war zu rechnen. Dass der Lüfter aber schon nach etwas mehr als einem halben Jahr Auflösungserscheinungen zeigt, ist dann doch enttäuschend. Sei’s drum. So hatte ich dann einen triftigen Grund, den „Aufwand“ des Kühlertausches zu rechtfertigen. Und was soll ich sagen: Der Noctua NH-D15 liefert auf ganzer Linie. Von den kleinen „Lieferschwierigkeiten“ mal abgesehen, bin ich sehr zufrieden. Und die Probleme will ich gar nicht Noctua zuschreiben. Ich hätte mir ja auch einen nagelneuen Kühler für 90 € kaufen können. Diesen kleinen Mehraufwand nehme ich für eine Ersparnis von 20 € gerne in Kauf. Die Temperaturen sind im Vergleich zum AMD-Kühler doch um einiges geringer und auch die Geräuschkulisse ist eine gänzlich andere. Natürlich hätte auch ein günstigeres Modell einen ähnlich gute Job getan, aber hey – jetzt habe ich halt den besten Luftkühler. 🙂