Tumor im Rückenmark – Erfahrungsbericht Teil 23

Tumorresektion und Krankenhausaufenthalt

Nachdem der Tumor im Rückenmuskel nun in der letzten Untersuchung diagnostiziert worden war, stand also die Operation an. Wie üblich mussten wir bereits einen Tag vorher – also am Dienstag – anreisen. Dann gab es noch das obligatorische OP-Gespräch sowie die Anästhesie-Aufklärung. Das OP-Gespräch führte nun ein anderer Arzt, der jetzt leider ganz andere Aussagen tätigte. Die OP sei natürlich nicht mit einer Rückenmarks-OP zu vergleichen, aber auch diesen Tumor würde man unter dem Mikroskop entfernen, da er doch nah an die Wirbelsäule reiche und man dort nichts beschädigen wolle. Außerdem könne es passieren, dass die Wirbelsäule danach instabil wird, wenn dort am Muskel operiert wird. Und jetzt sollte die OP nicht mehr nur eine sondern gleich drei Stunden dauern. Und eventuell wäre danach noch eine Nacht auf der Intensivstation notwendig. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen, wo wir uns doch eingeredet hatten, dass alles halb so schlimm wird …
Zu allem Überfluss sprach die Anästhesistin im Anschluss dann plötzlich von zwei Stunden. Wir waren ziemlich verwirrt, offenbar war sich von den Ärzten niemand sicher, was da überhaupt auf die zukam.

Die Aufnahme auf Station wurde von einer Schwester durchgeführt, die meine Frau noch von ihrem letzten Aufenthalt gut kannte und schätzte. Und die Schwester konnte sich auch nach den zwei Jahren noch an meine Frau erinnern und sie kamen gleich vertraut ins Gespräch. Daher fühlte sie sich gleich ein wenig besser. Immerhin etwas.

Die OP war für Mittwoch um 13:30 Uhr angesetzt. Nicht ideal, da man nüchtern sein muss, und bis Mittag nichts zu essen ist gar nicht so einfach. Zum Glück wurde sie schon kurz nach 12 abgeholt. Die Wartezeit für sie war damit zu Ende. Meine nicht. Die ging jetzt erst richtig los. Wie immer hatte ich den Arzt gebeten, mich nach der OP anzurufen und mich zu informieren. Das versprach er auch. Naja, letztes Mal hatte das auch nicht wirklich funktioniert und ich musste Qualen der Ungewissheit erleiden, also gab ich auf das Wort nicht viel. 😉

Wieder warten. Ich war an diesem Tag im Büro und war dadurch zum Glück etwas abgelenkt. Ab 15 Uhr wartete ich dann auf den Anruf. Ich wusste ja nicht, wie lange es wirklich dauern würde; wenn es bei der einen Stunde geblieben wäre, könnte sie schließlich schon fertig sein. Doch niemand rief an. Um 16:30 Uhr etwa machte ich dann Feierabend. Zuhause hatte ich dann auch sowohl Handy als auch Telefon ständig bei mir. Alle paar Minuten schaute ich auf die Uhr. Es klingelte nicht. Natürlich war noch nicht viel Zeit vergangen, aber in so einem Moment kommt einem jede Minute so lang vor. Um halb sechs nahm ich mir dann vor, um 18 Uhr anzurufen und selbst nachzufragen. Doch dazu sollte es zum Glück nicht kommen. Gegen Viertel vor sechs klingelte mein Handy – es war meine Frau höchstpersönlich! Sie sei jetzt auf dem Zimmer und es ginge ihr gut. Mann, wie die Anspannung plötzlich von mir abfiel! Ich war so glücklich, wieder waren schwere und bange Stunden geschafft! Direkt nach dem Telefonat rief dann auch eine Stationsschwester an, um mir auch mitzuteilen, dass meine Frau jetzt fertig und auf dem Zimmer sei. Also hatten die es offenbar doch nicht komplett vergessen.

Ich setzte mich gleich ins Auto und machte mich auf den Weg. Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, so „spät“ noch die 100 km zum Klinikum zu fahren, aber ich musste sie einfach sehen. Ich war so froh, dass es ihr den Umständen entsprechend gutging.
Laut Aussage der Ärzte ist die OP sehr gut gelaufen, besser als erwartet. Keine Komplikationen. Die alte Narbe war komplett wieder geöffnet und sogar noch erweitert worden. Das war wohl nötig gewesen, um das Gewebe von der Größe von etwa 3 x 2 x 5 cm zu entfernen. Diese Maße standen später im Arztbericht, muss wirklich ein ziemlich großes Ei gewesen sein … Beim Zunähen wurde dann wieder ganze Arbeit geleistet. Zwar sah die Narbe im ersten Moment ziemlich übel aus, sodass ich dachte, dass die nicht wieder so schön verheilen würde wie zuvor, aber schon nach ein paar Tagen sah alles sehr gut aus. Das entferne Gewebe wurde natürlich zum Pathologen gegeben.

Schon am nächsten Tag versuchte sie aufzustehen, was auch gelang! Davor hatte sie viel Angst gehabt nach den schlimmen Erfahrungen nach der letzten OP. Sie hat sich sogar selbst am Waschbecken gewaschen, auch wenn dabei ihr Kreislauf nicht ganz mitmachte. Sie war stolz und glücklich.

Am Freitag wurde sie dann entlassen, allerdings sollten in der darauffolgenden Woche noch ein MRT sowohl vom Kopf als auch vom Rücken gemacht werden. Dazu sollten wir uns am Mittwoch und am Freitag nochmal vorstellen. Dann sollte auch das Ergebnis aus der Pathologie vorliegen.

Doch so leicht wurde es uns – natürlich – nicht gemacht. Mehr davon in Teil 24.

2017-12-15T07:55:45+00:00 18. August 2017|2 Kommentare