Linux-Distros und die Reviews

Immer wenn eine neue Version einer Linux-Distribution veröffentlicht wird, die mich interessiert, bin ich gespannt, was denn die „Fachwelt“ darüber denkt. So lese ich dann mit Interesse die Reviews in den einschlägigen Medien. Ich sehe allerdings ein mehr oder minder großes Problem mit diesen Reviews oder Tests: Oft werden diese sofort nach den Releases und manchmal sogar vorher auf Basis der Release Candidates erstellt. Warum ich ein Problem damit habe, möchte ich erklären.

Bei Linux-Distributionen mit einem festen Release-Zyklus läuft es ja in der Regel so, dass über einen gewissen Zeitraum während der Entwicklung ein Software-Stack (Basis-Betriebssystem und Anwendersoftware) zusammengestellt wird, der miteinander harmoniert. Hier gibt es unterschiedliche Herangehensweisen: In der einen Distribution (Fedora als prominentes Beispiel) kommen brandneue, z. T. auch experimentelle Komponenten zum Einsatz, während man bei der anderen (Debian) eher den Weg geht, gut getestete, dafür aber ältere Versionen zu verwenden. Beide haben aber gemeinsam, dass die Major-Versionen der Software bspw. LibreOffice in der Version 5.0 über den gesamten Zeitraum bis zur Veröffentlichung der nächsten Distributions-Version beibehalten wird. Das bedeutet, dass z. B. in openSUSE Leap 42.1 LibreOffice kein Update auf die Version 6.0 bekommen würde, sofern diese innerhalb des Zeitraums eines Jahres erscheinen würde. Je nach Umfang der Änderungen gilt das möglicherweise auch für Minor-Versionen. Noch steht in openSUSE Leap 42.1 zumindest kein LibreOffice 5.1 zur Verfügung. Die Software wird dann vom Hersteller der Distribution in der veröffentlichten Version gepflegt. Patches für Sicherheitslücken werden integriert, Bugs behoben. Alles innerhalb dieser bestimmten Version.

Nun weiß man ja, dass Software, vor allem im Open Source Bereich, wo schnell und oft veröffentlicht wird, immer noch „nachreift“. Das gilt für die einzelnen Komponenten wie Kernel, Grundsystem, Tools und Anwendersoftware, aber auch für das Zusammenspiel als Ganzes. So kann es durchaus passieren, dass beim Test Fehler oder Unstimmigkeiten durchrutschen. Es ist auch unmöglich jegliche Kombination der auf dem Markt befindlichen Hardware-Komponenten zu testen. Daher ist man besonders auf Bugreports der Anwender angewiesen. Die Wunschvorstellung ist natürlich, dass die schlimmsten Fehler schon während der Alpha- und Beta-Phase erkannt werden. Daher sind diese auch immer offen und jeder entsprechend masochistisch veranlagte User ist eingeladen, fleißig mitzutesten. Leider erreicht man im Vorfeld aber nicht die Massen an Benutzern, sodass immer noch genügend Potenzial für Verbesserungen bleibt, auch wenn unter „Laborbedingungen“ und bei freiwilligen Testern alles gut läuft.

Nun wird eine so vorbehandelte Distributions-Iteration auf den Markt geworfen, bzw. auf die User losgelassen. Möglicherweise mit unentdeckten Fehlern und Ungereimtheiten. Manchmal fehlt auch einfach die Zeit für den letzten Feinschliff, weil man einen Zeitplan einzuhalten hat, und die Unschönheiten sind sogar bekannt. Aber es ist eben (nur) diese initiale Version, die mehr oder minder ausgiebig getestet wird. Und dann bleibt das Testergebnis für alle Zeit so bestehen, denn dass wirklich noch einmal nachgetestet und das Ergebnis aktualisiert wird, kommt nun leider wirklich selten vor.

Diese Zeilen schreibe ich gerade aus einem aktuellen Anlass: Ich habe mir vor ein paar Tagen openSUSE Leap 42.1 mit dem KDE Plasma Desktop installiert und sofort einen sehr guten Eindruck gewonnen. Das sieht in den Tests aber nicht so aus, denn besonders Plasma in der Version 5.4 wird als instabil bezeichnet. Was auch durchaus stimmt und genau hier ist der springende Punkt, denn gerade deswegen haben sich die Entwickler entschieden, die Version 5.5 als offizielles Update auszuliefern. Natürlich auch mit den aktuellen Versionen Frameworks 5.19.0 und Applications 15.12.2. Seit der Installation habe ich trotz ausgiebiger Nutzung noch keinen Absturz des Desktops oder einer sonstigen Anwendung gehabt. Es funktioniert bislang einfach alles sehr gut.

Warum ich openSUSE Leap 42.1 für die beste Linux-Distribution für Umsteiger von Windows halte und an welchen Stellen man nach einer erfolgreichen Installation noch Hand anlegen kann, um alles runder zu machen, möchte ich in weiteren Beiträgen erläutern.

2017-12-13T16:09:19+00:00 11. März 2016|Keine Kommentare