Tumor im Rückenmark – Erfahrungsbericht Teil 19

Erste Gefühle im rechten Fuß

Nein, verdauen kann man so einen neuerlichen Schock nicht. Wer hört schon gerne, dass alles, was man durchgemacht hat, wahrscheinlich umsonst gewesen ist? Dass der Tumor wieder Wachstum andeutet? Aber das Leben geht weiter. Es muss weitergehen.

Glücklicherweise haben wir jetzt direkt im Anschluss an die letzte Untersuchung eine Woche Urlaub. Also macht man das, was man im Urlaub eben auch mal so macht – eine Shopping-Tour. Soweit nichts Besonderes.

Das Besondere ereignet sich am späten Nachmittag auf der Rückfahrt. Plötzlich „schreit“ meine Frau neben mir auf.

„Ich spüre meine Zehen im rechten Fuß!“

Im ersten Moment bin ich sehr überrascht und nehme es wohl gar nicht richtig ernst. Sie selbst ist sich wohl auch nicht sicher. Immer wieder fasst sie sich durch den Schuh an die Zehen und sagt dabei immer wieder: „Ich spüre meine Zehen!“ Dann begreife auch ich richtig. Sie meint es wirklich ernst. Offenbar haben sich ein Teil der Nerven über die Zeit doch etwas regeneriert. Was für ein Wunder! Nach über einem Jahr mit zwei „toten“ Beinen kehrt nun tatsächlich etwas Leben zurück. Immerhin ins rechte Bein. Aber mehr wurde uns auch nicht in Aussicht gestellt. Gerade für die Gefühlsstörungen wurde die ausgeprägte Syrinx verantwortlich gemacht. Also wirkt es nun so langsam tatsächlich aus, dass sie sich immer weiter zurückbildet. Was für ein Geschenk!

Noch ein paar Mal fasst sie sich an die Zehen. Alles fühlt sich noch seltsam an, aber das ist ja nicht verwunderlich. Das letzte Jahr hat es sich bei ihr ja eher so angefühlt, als hätte sie gar keine Zehen.

Natürlich hat dieses schöne Erlebnis, dieses positive Signal, einen faden Beigeschmack. Was hilft es denn, wenn der Tumor sich wieder ausdehnt? Aber dennoch können wir uns für den Moment richtig freuen!

Und die Freude wird noch größer, als wir das Ergebnis der nächsten Untersuchung haben.

2017-12-12T12:12:27+00:00 14. Dezember 2016|Keine Kommentare