Tumor im Rückenmark – Erfahrungsbericht Teil 11

Weiterer Klinikaufenthalt

Die zweite OP war also auch erfolgreich. Wir sind so dankbar! Natürlich hat sie nach wie vor Schmerzen, starke Schmerzen. Es geht alles sehr langsam, aber jeder noch kleine Schritt wird von uns fast gefeiert. Es ist jedes Mal ein Highlight, wenn sie ihre Beine anhebt und anwinkelt; eine Freude zu sehen, wie es immer besser klappt. Das Bett lässt sich verstellen und so kann sie selbst im Halbsitzen essen und trinken. Jeden Tag bekommt sie Physiotherapie, natürlich lässt man es dabei langsam angehen. Im Liegen muss sie ihre Beine bewegen, später drückt die Therapeutin dagegen, damit meine Frau mehr Kraft aufwenden muss. Sie ist sehr zufrieden. Es klappt immer besser. Ganz langsam bauen sich die Muskel wieder auf. Wir sind glücklich. An Aufstehen ist natürlich noch nicht zu denken. Aber am Donnerstag (glaube ich) setzt sie sich zum ersten Mal auf die Bettkante. Nur kurz, dann ihr wird schwindelig, aber immerhin. Es geht aufwärts. Am Samstag dann kann sie schon länger alleine sitzen, wir machen gleich ein gemeinsames Selfie und schicken es der Familie. Irgendwann muss sie anfangen aufzustehen und zu gehen. Mit einer Art „Gehwagen“. Fast wie ein kleines Kind, das die ersten Schritte lernen will. Zuerst klappt es nicht. Der Kreislauf macht nicht mit. Ihr wird immer schwarz vor Augen. Irgendwann schafft sie aber ein paar Schritte. Auch das wird gefeiert! Ein paar Tage später schafft sie es sogar, den Gang entlang zu gehen. Ich hätte nie gedacht, dass man sich sogar über diese Kleinigkeiten derart freuen kann! So ändern sich die eigenen Ansprüche!

Bis zum 12.08. – also etwa dreieinhalb Wochen ist sie in Münster. Direkt im Anschluss soll sie in die Reha. Dort wird aber erst frühestens Ende der nächsten Woche ein Platz frei. Und da sie weiter unter ärztlicher Beobachtung stehen soll, in Münster aber ihr Zimmerplatz gebraucht wird, wird sie ins Krankenhaus unserer Heimatstadt verlegt. Das Kapitel Uniklinik Münster ist damit erstmal beendet. Wir sind froh, dass wir die Entscheidung zugunsten dieser Klinik getroffen haben. Wir sind dankbar dafür, wie das alles gelaufen ist und wie gut sie dort behandelt und auch behandelt wurde – in doppelter Hinsicht. Die Pflegekräfte waren immer hilfsbereit und zuvorkommend und geduldig. Einige haben sich sogar Zeit für ein Gespräch genommen. Ich glaube kaum, dass wir es woanders hätten besser erwischen können. Wir hoffen ja, dass ein solcher Fall nie wieder eintreten wird, aber sollte mal wieder etwas in Richtung Neurochirurgie anstehen, würden wir uns wohl wieder für Münster entscheiden.

Einen großen Dank müssen wir auch unseren Freunden aussprechen. Meine Frau hatte quasi jeden Tag jemanden zu Besuch. Jeder – wirklich jeder – unserer Freunde hat sie dort in Münster besucht. Für mich nicht selbstverständlich. Immerhin für alle eine Wegstrecke von über 100 km. Und das nur, um sich ein paar Minuten in einem Krankenhaus aufzuhalten. Es ist so schön, solche Freunde zu haben. Auch so etwas erkennt man in solchen Situationen und lernt es zu schätzen.

Das Krankenhaus bei uns in Lübbecke dagegen ist ein Fall für sich. Der Start dort ist nicht gerade verheißungsvoll. Sie wird per Liegendtransport verlegt und muss direkt dringend auf die Toilette. Der Fahrer bittet daher die Schwestern dort in der Aufnahme, sich darum zu kümmern, also ein „Gefäß“ dafür zu besorgen. Daraufhin ärgert sich die Schwester und meint, so eine junge Frau könne doch gefälligst aufstehen und selbst aufs Klo gehen. Wenn die wüsste. Als meine Frau mir das später erzählt, werde ich stinksauer und hätte mich am liebsten direkt beschwert. Aber das hätte es auch nicht besser gemacht. Und das ist leider auch nicht alles. Obwohl telefonisch zwischen den Kliniken alles geklärt wurde, weiß man offenbar nichts von ihr. Und man will sie nicht haben. Man könne mit ihr doch nichts anfangen, solche Fälle hatte man nie, darauf sei man nicht vorbereitet. Sie muss Stunden im Flur im Bett verbringen, während verschiedene Ärzte über sie „verhandeln“. Die Ärzte sehen es nicht mal für nötig, den Bericht zu lesen, den sie dabei hat. Erst als nach über zwei Stunden endlich ein deutscher Arzt kommt und in den Bericht schaut, klärt sich die Situation und sie bekommt ein Zimmer. Dabei handelt es sich doch nur um eine Übergangslösung. Sie soll dort einfach ihre Medikamente und Physiotherapie bekommen. Sollte so schwierig nicht sein. Auch auf der Station scheint die Arbeit nicht so ganz ernst genommen zu werden. Man erwartet, dass der Besuch alles macht, was eigentlich Aufgabe des Pflegepersonals ist. Kein Witz: In meinem Beisein hat meine Frau geklingelt, weil sie zur Toilette gebracht werden wollte, da kommt der Pfleger rein und meint: „Ihr Mann ist doch da, soll der das machen.“ Da kann man echt nur den Kopf schütteln … Dazu kommt, dass wir einmal noch vor Ende der Besuchszeit rausgeworfen werden, angeblich seien wir zu laut. Von wegen. Nicht einmal die Bettnachbarin hat das so empfunden, geschweige denn sich beschwert.

Glücklicherweise kommt direkt ein Brief von der Reha-Klinik: Es ist ein Platz frei geworden, die Reha beginnt nun schon am Montag, den 17.08. und nicht erst am darauffolgenden Freitag, wie es erst hieß. Viel länger hätten wir es da auch nicht ausgehalten.

Von ihrer Zeit in der Reha könnt ihr in Teil 12 lesen.

2017-12-13T13:39:54+00:00 2. Juni 2016|Keine Kommentare