Tumor im Rückenmark – Erfahrungsbericht Teil 5

Die passende Klinik – Minden?

Hier geht’s zu Teil 4 – OP – ja oder nein?

Nachdem der erste Schock verdaut ist und wir Zeit haben, zu uns zu kommen und etwas darüber nachzudenken, bleiben wir bei der Meinung, dass die Operation durchgeführt werden soll. Wer will schon jeden Abend ins Bett gehen und damit rechnen müssen, dass die Beine am nächsten Tag nicht mehr funktionieren? Nachdem das klar ist, heißt es, sich Gedanken zu machen, wo man diesen Eingriff vornehmen lässt. Ist nun leider keine einfache OP. Wie gesagt, ein Fehler und das Leben geht im Rollstuhl weiter. Hinzu kommt, dass es eine sehr seltene Krankheit ist, nicht alle Kliniken haben Erfahrung damit. Immerhin ist keine Not-OP notwendig. Zu lange sollte nicht gewartet werden, aber wir haben etwas Zeit, uns eingehend damit zu beschäftigen und müssen nichts überstürzen.

Gut, dass wir nicht die einzigen Menschen hier sind, die unseren Glauben an Gott und an die Kraft des Gebetes teilen. Wir sind Mitglied einer Gemeinde und dort können wir unser Leid teilen. Mit der Familie sowieso. Wir bekommen viel Mitgefühl und die Gemeinde betet mit. Dass wir die richtigen Entscheidungen treffen. Das wir eine passende Klinik finden und uns dabei wohl fühlen. Dass die Operation gelingt. Dass meine Frau wiederhergestellt wird, zumindest soweit, dass ein „normales“ Leben weiterhin möglich ist. Das gibt ein gutes Gefühl. Ein Gefühl, das Außenstehende nie erleben werden. Es steckt viel Kraft dahinter. Ob ihr das nun glaubt oder nicht.

Die erste Adresse ist das Klinikum in Minden, wo der Tumor auch entdeckt wurde. Meine Frau hat sich dort in der „Untersuchungs-Woche“ gut aufgehoben gefühlt. Außerdem ist es nicht allzu weit weg von Zuhause. Also warum nicht? Das Gespräch findet eine Woche später mit dem Arzt statt, der die OP auch durchführen würde. Sinngemäß und zusammengefasst wurde Folgendes gesagt:

Sie müssen wissen, dass diese OP sehr kompliziert ist und auch nicht alle paar Wochen gemacht wird. Aber natürlich machen wir das gerne. Natürlich besteht eine Chance, dass alles gut geht und sie wieder genesen und mobil sein werden, Ziel kann aber nur sein, sie gezielt in den Rollstuhl zu bringen.

„Gezielt in den Rollstuhl bringen.“ Dieser Teil ist wirklich ein Zitat, nicht nur sinngemäß. Mit anderen Worten:

Wir können nur garantieren, dass Sie die OP überleben; dass Sie wieder gehen werden ist aber höchstens Wunschdenken!

Na schönen Dank auch, das gibt einem gleich mal richtig Auftrieb. Für uns ist klar, dass Minden dann wohl eher nicht optimal ist. Zwischen den Zeilen lese ich, dass in dieser Klinik eine derartige OP noch nie gemacht wurde. Dass man sich unsicher ist, auch wenn das überspielt wird. Dass man absolut keine Erfahrung damit hat, einen Tumor aus dem Rückenmark zu entfernen. Dieser Eindruck mag falsch sein, aber uns ist nicht wohl dabei. Wir bekommen das Gefühl, dass meine Frau als Versuchskaninchen herhalten soll. Wenn es schiefgeht, hat man’s halt probiert und Erfahrung gesammelt. Und im Falle des Erfolgs kann man gut damit protzen. Ohne uns.

Im nächsten Teil geht es um die Uniklinik Münster und ob das eine bessere Adresse für uns ist.

2017-12-13T14:23:01+00:00 18. April 2016|Keine Kommentare